Offen, aber wie?

Du würdest gerne offener leben, aber weißt nicht, wie du es angehen sollst?

Selbstverständlicher mit HIV leben geht nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess. Es geht nicht darum, Plakate zu drucken oder es in die Welt zu brüllen, damit jeder über deine Infektion Bescheid weiß. Es geht nur um dich. Du allein musst dich wohl damit fühlen.

Da ist diese Schwelle. Jetzt tief durchatmen. Gib dir einen Schubs.

Du wirst überrascht sein, wie gut sich dieses Stück Freiheit anfühlt, dass du dir und anderen damit gibst. Oft wirst du Dankbarkeit erfahren, wenn du von deiner Infektion erzählst. Denn Menschen schätzen das Vertrauen, das du ihnen damit schenkst. Und dir selbst schenkst du jedes Mal ein Stückchen mehr Freiheit.

Gehe schrittweise vor. Übe das Sprechen über deine Infektion mit guten Freund*innen. So gewinnst du Routine und kannst beobachten, wie Menschen reagieren. Du wirst merken: Es wird mit jedem Mal leichter. Du kannst darauf vertrauen, dass Menschen, die dich mögen oder lieben, dies auch weiterhin tun werden. Du hast dich nicht verändert. Du bleibst die liebenswerte Person, die du immer schon warst. Du bist lediglich ehrlicher als zuvor.

Je öfter, desto leichter. Je häufiger, desto mehr.

Hast du das Gefühl, dass Deine Gegenüber verunsichert sind? Das kann daran liegen, dass du der erste Mensch mit HIV bist, den sie kennen. Gib ihnen den Raum, darüber nachzudenken. Gib ihnen die Möglichkeit, darüber zu reden. Vielleicht haben sie Fragen, vielleicht sorgen sie sich. Hilf ihnen. Teilt eure Ängste. Sprecht darüber. Zeig ihnen, dass du selbstverständlich positiv bist.

Sicherlich gibt es Menschen, bei denen es dir besonders schwerfällt, über HIV zu reden; oft sind es die Eltern oder Großeltern. Sie müssen keine Angst um dich und deine Gesundheit haben. Eine HIV-Infektion ist gut behandelbar. Du hast ein langes und erfülltes Leben vor dir. Das kannst du ihnen vermitteln. Gerade ältere Menschen haben viel Lebenserfahrung gesammelt, selbst Krisen durchlebt. Sie werden dein Vertrauen besonders wertschätzen.

Manchmal ist die Schwelle höher, die Angst, es zu erzählen, größer.
Um so größer ist dann aber auch die Erleichterung, der Gewinn für dich.

Du fragst dich, was dir die Offenheit am Arbeitsplatz bringt? Zum Beispiel Gelassenheit, Selbstbewusstsein und das Gefühl, akzeptiert zu werden, so wie du bist. Vielleicht sogar Unterstützung – etwa flexiblere Arbeitszeiten, wenn‘s um Arzttermine geht. Und du kannst entspannter auch bei persönlicheren Themen mitplaudern. Kein Zwang, dich zu kontrollieren, kein Druck, die Fassade aufrecht zu erhalten. Stattdessen Leichtigkeit und Freiheit.

Das Projekt #positivarbeiten [Link] zeigt: Viele Arbeitgeber*innen sind heute gut informiert und wissen, dass Menschen mit HIV keine Nachteile am Arbeitsplatz haben. Vielleicht ist deine Firma längst dabei. Oder sie will sich engagieren und du kannst sie dabei unterstützen.

Sei dabei! Lebe auch du selbstverständlich positiv!

Manchmal meint es das Leben nicht so gut mit dir. Aber auch wenn du mal negative Erfahrungen machst, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt viele Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen. Selbsthilfeorganisationen und -gruppen stehen dir bei und bieten praktischen Rat. Eine Liste der Selbsthilfekontakte findest du unter aidshilfe.de/hiv-selbsthilfegruppen. Nutze die Angebote. Lass dir helfen!

Auch wenn du diskriminierst wirst, bist du nicht allein. Die lokalen Aidshilfen unterstützen dich. Du kannst dich auch an die Kontaktstelle für Diskriminierung bei HIV von der Deutschen Aidshilfe wenden. Dort erhältst du schnell und unkompliziert Hilfe. Trau dich, dich zu wehren!

Mehr Infos findest du unter HIV-diskriminierung.de und aidshilfe.de